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Ich möchte geschichte weiblich, das Fremdgehen liebt

Nach sechs Jahren Lebensgemeinschaft mit meinem damaligen Freund Werner hatte sich dieser gewisse Alltagstrott eingeschlichen, der für einen Seitensprung anfällig macht. Nicht, dass ich Werner nicht geliebt hätte.


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Skip ! Story aus Fremdgehen. Fremdgehen: 2 Geschichten, die deine Sichtweise darauf verändern Kelly BourdetRosemary Downs. Illustration: Anna Sudit.

Isidora
Was ist mein Alter: 29

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Schon seit Tagen war es schwül gewesen, und an diesem Abend zogen schwere Gewitterwolken auf. Mir fiel sofort auf, dass Stefanie anders war als sonst. Distanzierter, zugeknöpfter.

Die beiden waren sehr vertraut miteinander. Mein Mann Fred 50 und ich 46 hatten vor 18 Jahren geheiratet. Wir haben zwei Söhne — Leon ist 15 und Philipp wird dieses Jahr Wir leben auf dem Land, haben uns in einem kleinen Ort bei Hannover ein Haus gebaut.

Wir haben unsere leser nach ihren seitensprung-geschichten gefragt. es sind so viele eingetroffen, dass wir sie aufgeteilt haben. heute sind die frauen dran.

Ich habe es eingerichtet, die Kinder sind hier aufgewachsen, es ist unsere Heimat. Fred leitet ein gut gehendes Versicherungsbüro. Ich bin Optikerin. Bei uns wohnt das Glück, dachte ich immer. Es goss in Strömen, als ich an jenem Abend nach Hause kam. Fred stand in der Küche und räumte das Geschirr vom Tisch. Sag es mir! Stefanie hat euch gesehen. Atmete tief ein und aus.

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Und schwieg. Ich fühlte eine solche Kälte um mich herum, als läge eine Eisschicht auf meiner Haut. Keiner von uns sprach auch nur ein Wort. Erst später konnten wir reden: Mein Mann hatte sich in eine Kundin verliebt, seit drei Monaten ging das jetzt schon so.

Das schlechte gewissen

Glaub mir das bitte. Du und die Jungs, unsere Familie, ihr seid das Wichtigste für mich. Was soll ich sagen? Es ist einfach so passiert, Karin. Einfach so. Tagelang lag ich nur im Bett, im Geschäft hatte ich mich krankgemeldet.

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Die Jungs dachten, ich hätte Grippe. Ich fühlte mich elend, klein, hässlich, alt. In meinem Kopf tanzten Bilder von der anderen — mit meinem Mann. Fred selbst sprach wenig mit mir. Er akzeptierte meinen Rückzug.

Er vermied das Wort Scheidung, machte mir aber auch keine Hoffnung. Alltägliche Sätze, Absprachen und Vereinbarungen bekamen plötzlich eine überraschende Intensität und Schwere.

Eines Abends zum Beispiel ging es um ein Schüler-Austauschprogramm. Im Herbst sollte Leon für zwei Monate in Frankreich zur Schule gehen. Dieses Wort erschien mir wie eine Liebeserklärung. Manchmal sah ich ihn an und dachte an unser Leben: Wie wir uns im Tennisclub kennengelernt hatten, unser erster Kuss, Urlaube im Wohnmobil, meine beiden Schwangerschaften, unsere Kinder, der Tod meiner Eltern.

Wir hatten so viel miteinander erlebt und geschafft. Das konnte und wollte ich nicht aufgeben.

Mulmiges gefühl

Ich kann es nicht erklären: Ich liebte Fred immer noch. Trotz allem.

Ich beschloss, einfach abzuwarten, gar nichts zu tun und zu hoffen, dass dieser Albtraum vorübergehen würde. Denn Abwarten bedeutet auch: Es bleibt alles erst mal beim Alten. Das gab mir ein kleines Stückchen Sicherheit, auch wenn es Stefanie nicht verstand und vermutlich auch sonst niemand nachvollziehen konnte. Also lebten wir weiter wie bisher.

Und ich verhielt mich wie die drei Affen: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Tagsüber gelang mir das mittlerweile sogar ganz gut. Ohne, dass sie es wussten, halfen mir Leon und Philipp dabei, die Fassade aufrechtzuerhalten. Sie ahnten nicht, was in ihrer Mutter vorging, hatten keinen Schimmer von dem Doppelleben ihres Vaters.

Und ich wollte, dass das auch so blieb. Abends lagen Fred und ich zusammen im Ehebett, redeten über den Alltag, anfangs mühsam und angestrengt, aber nach einigen Wochen kehrte Routine ein, wir lachten sogar manchmal zusammen.

Es fühlte sich absurd und gleichzeitig selbstverständlich an. Sex hatten wir keinen mehr, natürlich nicht. Da brach ich zusammen, schleppte mich in die Küche und weinte hemmungslos allein an unserem Tisch. Ich schluchzte alles hinaus, den Schmerz, die Demütigung, so lange, bis ich nur noch erschöpft ins Bett zurückkriechen konnte.

Ein seitensprung als ausweg

Fred schlief. Zumindest sah es so aus. Sechs Monate lang lebten wir nebeneinander her. Mit Freundinnen wollte ich nicht darüber sprechen. Ihre Ratschläge würden mich nicht weiterbringen. Es war eine Sache zwischen Fred und mir. Ja, ich war traurig, wütend, oft mit den Nerven am Ende.

Im Gegenteil. Die morgendlichen Rituale, das Schminken, die Kleiderwahl gaben mir Halt. Und irgendwann, als ich eine neue Lippenstiftfarbe ausprobierte, spürte ich zum ersten Mal seit Langem so etwas wie Freude. Ich lebte wieder. Und es sah toll aus. Durch den ganzen Kummer und Ärger hatte ich abgenommen, passte plötzlich wieder in mein Lieblingskleid. Durch den Fulltime-Job verdiente ich mehr Geld, für das ich mich endlich mit ein wenig Luxus verwöhnte.

Ich fand: Das hatte ich mir verdient. Abends war ich jetzt oft unterwegs, lernte neue Leute kennen, verabredete mich mit Kollegen zu einem After-Work-Drink. Früher hätte ich all das nie getan. Nach Feierabend hatte es für mich immer nur meinen Mann und die Kinder gegeben.

Wann hatte ich schon mal an mich selbst gedacht? Eigentlich nie. Die neue Karin gefiel mir. Ich fühlte mich so lebendig. Und so wunderbar leicht. Ich begann zu begreifen, dass es vielleicht genau das war, was Fred bei der anderen Frau gefunden hatte: dieses Prickeln, den Zauber des Anfangs. So überraschend das klingt: Ich kehrte zu mir selbst zurück, hörte auf, mein Schicksal und mein Lebensglück an Fred zu koppeln.